Zum Hauptinhalt springen
Frachtkähne von Rheinschiffern und ihre Familien am Rhein vertäut — Archivfoto der Schiffertradition von Kembs

29. September 1985

Eine Geschichte, geboren aus einem Sandwich, an der Niffer-Schleuse

Wie vierzehn Tage hektische Baustelle, ein vom Wasser weggespülter Wohnwagen und 7 000 m³ Schlamm den Nautic Club Kembs hervorbrachten.

CHRONOLOGISCHE GALERIE

Navigieren Sie durch die acht Schlüsseletappen, die den Nautic Club Kembs geprägt haben, von den schifferträchtigen Wurzeln der Gemeinde bis zur institutionellen Anerkennung.

Schiffertradition in Kembs — historische Archive

Vor 1985

Eine Gemeinde mit Schiffertradition

Seit Generationen lebten die Rheinschiffer aus dem Oberrhein in Kembs, legten dort ihre Boote an und gründeten ihre Familien. Der Rhein, der Kanal, das fließende Wasser — alles erinnert daran, dass dieser elsässische Boden auch ein Land der Schifffahrt ist.

Folie 1 von 8: Eine Gemeinde mit Schiffertradition

Eine Gemeinde mit Schiffertradition

Kembs ist keine Gemeinde wie jede andere. Seit Generationen haben hier die Schiffer des Oberelsass gelebt, ihre Boote festgemacht und ihre Familien großgezogen. Der Rhein, der Kanal, das fließende Wasser — alles erinnert daran, dass dieses elsässische Land auch ein Land der Schifffahrt ist.

Die Idee eines Sportboothafens entstand nicht erst 1985. Bereits 1967 wurden Stimmen laut, das elsässische Rheinufer möge einen eigenen Bereich für Freizeitkapitäne erhalten. Huningue lehnte das Vorhaben damals ab. Am Ende war es Kembs, das unter dem Impuls von Bürgermeister Eugène Moser die Fackel aufnahm und die Voraussetzungen für ein außergewöhnliches Abenteuer schuf.

Ein Sandwich, das alles verändert

Alles beginnt am 29. September 1985 an der Schleuse von Niffer. Edmond Nussbaumer, Unternehmer aus Ensisheim, und Marcel Miclo, Leiter der Schleuse, teilen sich in einer Arbeitspause eine karge Mahlzeit — ein Sandwich. Das Gespräch nimmt eine entscheidende Wendung: Warum nicht hier, an diesem Kanalarm, einen Sportboothafen ausheben?

Die Idee klingt verwegen. Das Zeitfenster ist winzig: Der Kanal wurde soeben für Instandhaltungsarbeiten teilweise abgelassen. In wenigen Tagen wird er wieder geflutet. Jetzt oder nie.

Vierzehn Tage, um Geschichte zu schreiben

Die Entscheidung fällt. Es muss schnell gehen — sehr schnell. Vierzehn Tage, keinen Tag mehr, bis der Kanal wieder geflutet wird. Aimé Spaeth, Bürgermeister von Kembs, gibt mündlich sein Einverständnis. Vertrauen und Handschlag gelten als Vertrag.

Bleibt die Frage nach den Maschinen. Jean-Paul Gerteis von den Kiesgruben in Illzach stellt die nötigen Baugeräte bereit. Das Team findet sich rasch zusammen. Man improvisiert, organisiert sich, macht einander Mut. Die Arbeiten beginnen unverzüglich.

Die Sirenen in der Nacht

Die Arbeiten kommen voran, doch die Natur — oder ein schlecht abgestimmtes Schleusenmanöver — bringt alles durcheinander. Eines Morgens, noch vor Tagesanbruch, heulen die Sirenen. Der Kanal beginnt sich auf rätselhafte Weise zu füllen, weit vor der vorgesehenen Zeit. Das Wasser steigt in der offenen Baugrube.

Der Wohnwagen von Joseph Rieth, am Rand des Geländes abgestellt, wird von den steigenden Fluten fortgerissen. Eine Planierraupe steht halb unter Wasser. Die Arbeiten werden notfallmäßig unterbrochen. Zwei kostbare Tage gehen verloren — eine Ewigkeit, wenn die Gesamtfrist nur vierzehn Tage beträgt.

9. Oktober 1985: Auftrag erfüllt

Trotz des Zwischenfalls verdoppelt das Team seine Anstrengungen. Die Maschinen laufen ohne Unterlass. Am 9. Oktober 1985 ist es geschafft: 7 000 m³ Schlamm sind aus dem Kanalbett gefördert. Das Hafenbecken ist ausgehoben, die Feinarbeiten sind fristgerecht erledigt. Der Kanal kann wieder geflutet werden.

Was unmöglich schien — einen Sportboothafen in nur zwei Wochen auszuheben — war vollbracht. Eine kollektive Meisterleistung, geboren aus einem beiläufigen Gespräch und einem gemeinsamen Willen.

Der Sportboothafen Kembs heute — das Boot Le Cœur de l’Écluse am Liegeplatz, vom Ufer aus im Frühling gesehen
Der Hafen von Kembs heute — 53 Liegeplätze, nahezu alle belegt

1986: die offizielle Gründung

In den folgenden Monaten nimmt der Verein Gestalt an. 1986 wird der Nautic Club Kembs offiziell als Verein nach dem lokalen Recht von Elsass-Mosel gegründet. Marcel Miclo, der Mann, dem die Idee bei einem Sandwich gekommen war, wird sein erster Präsident — ein Amt, das er zehn Jahre lang ausüben und mit dem er dem Verein ein dauerhaftes Fundament geben wird.

Am 29. Dezember 1986 wird der Hafen offiziell eingeweiht. André Weber fasst den Geist des Ortes in einer Formel zusammen, die in Erinnerung geblieben ist: Der Hafen von Kembs sei „ein offenes Fenster zur Schifffahrt und zur Welt“ (DNA, 22. April 2022).

Die Péniches des Vereins

Schon in seinen ersten Jahren verfügte der Verein über einen Frachtkahn — die Albi —, der als Anlauf- und Begegnungspunkt diente. Sie wurde von der Loyola abgelöst, einer Péniche aus 50 Tonnen Beton, die in einer denkwürdigen logistischen Aktion auf dem Wasserweg von Ottmarsheim überführt wurde. Die Loyola wurde zum schlagenden Herzen des Vereins: Ort der Versammlungen, der Feste und der Begegnungen unter Freizeitkapitänen.

Vierzig Jahre später

Vierzig Jahre nach dieser improvisierten Baustelle zählt der Nautic Club Kembs 53 Liegeplätze, die nahezu alle ganzjährig von treuen Freizeitkapitänen belegt sind. Der Hafen hat sich beständig weiterentwickelt, wurde ausgebaut und hat Generationen von Wassersportlern aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz empfangen.

Der Geist der Gründer — Wagemut, Geselligkeit, die Liebe zum Strom — beseelt den Verein bis heute. Das offene Fenster zur Schifffahrt und zur Welt war nie weiter geöffnet.

Quellen

Bericht rekonstruiert nach den Zeugnissen von Marcel Miclo und Gérard Burgun, nach Fotoarchiven des Lokalhistorikers Claude Girardi und der Familie Ull-Beck aus Sierentz sowie nach Pressearchiven (Dernières Nouvelles d’Alsace, 22. April 2022; L’Alsace).

Möchten Sie Teil des Abenteuers werden?

Werden Sie Mitglied des Nautic Club Kembs und schreiben Sie seine Geschichte mit.